Das kleine Mädchen auf der Müllhalde Stung Meanchey in Phnom Penh
Von der Mutter getrennt lebte Chakriya mit ihren beiden Brüdern bei ihrer Tante auf einer Müllhalde. Um zum Lebensunterhalt beizutragen, trennten sie jeden Tag stundenlang die Nähte von Müllsäcken auf, in denen sie dann mühsam nach verwertbaren Materialien suchten. Gelebt haben sie einer wackeligen Hütte aus Plastikplanen und zusammengebundenen Latten. Jeder Tag war ein Kampf ums Essen und Überleben. An Bildung und Schulbesuch und an ein kindgerechtes Leben war da nicht zu denken, bis Chibodia-Mitarbeiter auf die Geschwister aufmerksam gemacht wurden.
Hier ein Originalbericht eines Chibodia-Mitarbeiters Anfang 2010 beim Besuch auf der Müllkippe:
„Das was mich am meisten berührte, war der Blick der Kinder als sie still zu ihrer Tante aufschauten – ihre Hände erst jetzt von der Arbeit lassend. Ich werde den Ausdruck in ihren Augen nie vergessen. Wir hatten ihre Tante gerade gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, das ChildrensHome zu besichtigen und nach Gutbefinden, die Kinder in unsere Obhut zu geben. Mir fiel plötzlich auf, dass wir, wie die Kinder, die Luft angehalten hatten. Die Kinder wussten, dass ihre Zukunft in diesem einen Moment plötzlich auf dem Spiel stand. Die Tante war mehr als dafür und uns fiel ein Stein vom Herzen.
Ich musste meine Sonnenbrille aufsetzen und den Kloß im Hals schlucken, bevor ich vorschlug gleich alle Habseligkeiten und offiziellen Papiere der Kinder einzupacken. Wir wollten nicht, dass sie noch eine einzige Tüte aufschnitten. Uns fiel auf, dass Seyha sich noch bei einem kleinen Mädchen aus der Nachbarhütte mit einem Kuss verabschiedete. Sie schien traurig, dass er wohl für immer gehen würde, doch Seyha - und seine Geschwister - konnten nur mit Mühe ihre Freude unterdrücken, endlich die Müllkippe verlassen zu können.“
Vom Kinderheim bis zum Master in Jura – welch ein Weg
In 2018 hat sie ihren High-School-Abschluss gemacht und anschließend ein Jura-Studium begonnen, das sie im Jahr 2022 erfolgreich mit dem Bachelor abgeschlossen hat. Ihren Wunsch, auch noch den Masterabschluss machen zu dürfen, hat Chibodia ihr erfüllt und so konnte sie Anfang dieses Jahres ihr Masterzertifikat entgegennehmen. Was für ein Weg und was für ein Erfolg, zu dem wir ihr ganz herzlich gratulieren.
Das sind Geschichten, die den Sinn unserer Arbeit vermitteln und die uns antreiben, auf diesem Weg weiter zu machen. Auch wenn es das Kinderheim nicht mehr gibt, so sind unsere anderen Projekte alle mit dem Ziel verbunden, Kindern und jungen Menschen in diesem Land die Chance auf eine bessere Zukunft zu ermöglichen.
Karate – Chakriya ist unglaublich erfolgreich
Neben der Bildung war ihr auch immer der Sport und die Gemeinschaft wichtig. Insbesondere Karate hat es ihr angetan und mit viel Fleiß und Engagement hat sie es bis ganz nach oben geschafft. Sie hat mehrfach die Goldmedaille bei den nationalen Karate-Meisterschaften in Kambodscha gewonnen. Auch international war sie bei den ASEA-Spielen, bei denen 11 Nationen aus Südostasien teilnehmen, in ihrer Sportart sehr erfolgreich und hat schon Medaillen geholt. Deshalb gibt sie auch ihre gesamte Erfahrung gerne als Trainerin und Coach weiter.
Wie dankbar Chakriya für die jahrelange Unterstützung ist schreibt sie in diesem Brief: