Leadership Kurse in der Landschule - Mai 2008
In der Aziza Schule wurden schon mehrere „Leadership" Kurse angeboten. Auf die Inhalte werden wir noch kurz eingehen, aber vielleicht kann man diese Kurse am besten als „Führungspersönlichkeitskurse" übersetzen. Der Leitsatz dieser Kurse lautet in etwa: Jeder kann eine Führungspersönlichkeit werden und ein Vorbild für andere sein. Hauptziele der Kurse sind unter Anderem die Stärkung der Persönlichkeit, Problemlösungsstrategien anzubieten und eine Zukunftsperspektive zu geben. Ein starkes Nein zu Drogen, Prostituierten und Spielsucht, sowie Verlässlichkeit und die Bildung einer starken Persönlichkeit sind die Vorraussetzungen um ein „Leader" zu sein, um die Rolle eines Vorbilds einzunehmen.

- Zertifikatverleihung des Leadership Trainings im Aziza Schoolhouse
Der Erfolg der Leadership Kurse im Slum war unübersehbar. Die Jungendlichen, die sich für die Kurse anmeldeten, nahmen es gut an und setzten die Inhalte besser um, als wir jemals zu hoffen gewagt hatten. Eine Gruppe von jungen Menschen entstand, die nach den Kursen eine Vorbildfunktion für die jüngeren Kinder entwickelt hatten. Sie übernahmen Verantwortung in der Slumgemeinschaft. Wir dachten uns: „Diese Kurse müssen wir den Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Landschule auch anbieten."

- Leadership Unterricht - Lehrer Sokchea in der Landschule
So führten wir im Februar einen Leadership Kurs an der Chibodia Landschule durch und im März knüpften wir mit einem „Leadership in Action" Kurs daran an. Zu diesem Zweck nahmen wir zehn Schüler der Aziza Schule mit zur Landschule. Sie sollten als Beispiel dienen, aus ihrer Sicht erklären, warum Kambodscha Vorbilder braucht und wie man dazu wird.

- Ein Student der Aziza Schule gibt Erfahrungen an die Schülern der Landschule weiter
Offiziell nahmen 37 Schüler der Landschule, von 16 Jahren aufwärts, an den Kursen und der abschließende Prüfung teil. Die Zahl derer, die dem Kurs einfach nur zuschauten, war meist an die hundert.

- Landschüler bei den Kursen
Welche Charaktereigenschaften dienen einem erfolgreichen Leben? Habe ich einen Lebensplan? Woraus besteht echte Freundschaft? Wie spreche ich Probleme an? Wie bewirbt man sich am besten auf einen Arbeitsplatz hin? Wie verhält man sich am besten in einem Vorstellungsgespräch? Diese und viele weitere Themen wurden erst von Sokchea, einer unserer Lehrer an der Aziza Schule, unterrichtet und dann in Gruppenarbeit zu Präsentationen ausgeweitet. Für viele der Schüler war es das erste Mal, dass sie vor einer größeren Gruppe Menschen sprachen. Im Anschluss wurde das Vorgetragene inhaltlich evaluiert. Auch die jeweilige Körpersprache wurde diskutiert und positiv kritisiert. In der Khmer Kultur wird vieles nicht besprochen, es muss immer das Gesicht bewahrt werden, die Oberfläche muss stimmen... Dadurch entstehen aber viele Probleme, die sich zu echten Lebenskrisen ausweiten, weil man eigentlich allein mit seinen Problemen dasteht und nie gelernt hat Hilfe zu suchen, Dinge zu verbalisieren, mit anderen zu kommunizieren.
Im zweiten Teil „Leadership in Action" wurde das Gelernte in die Tat umgesetzt. Rollenspiele und verschiedene Wettbewerbe sollten die Teamfähigkeit und das Gemeinschaftsgefühl stärken.

- Es wurde viel gelacht...

- ... und Freundschaften geschlossen
Es wurde zusammen gespielt, gekocht, gesungen, Freundschaften geschlossen und viel gelacht.
Es kamen aber auch viele Probleme ans Licht und es flossen Tränen, als der eine oder andere sich zum ersten Mal in ihrem oder seinem Leben geöffnet hat und über häusliche Gewalt, Trink- und Spielsucht, Krankheit, Armut und Tod in ihren Familien reden konnten. Mir ist dabei bewusst geworden, dass die Vorstellung von einem einfachen und ärmlichen - aber dennoch glücklichen - Leben grober Unsinn ist. Wenn man nicht weiß, was man nächste Woche essen wird, keine Schulbildung und damit keine Zukunft hat oder andere Dinge erleben und verarbeiten muss, die mit der Armut zusammenhängen, verursacht das Stress und Sorge in den Menschen. Die äußere Not führt dann innere Not herbei.
Ein Schüler der Landschule kam nach dem ersten Kurs zu mir und fragte erstaunt: „Warum hat mir das alles noch niemand gesagt? Wie konnte ich das noch nicht wissen?"
Ich war selber erstaunt, dass solche elementaren Dinge, die man bei uns bereits zum Teil im Kindesalter lernt, in Kambodscha auf so breiter Basis fehlen.
Alle Eltern und alle Schüler der Landschule waren zur Abschluss Veranstaltung im Juni eingeladen. Von 37 Schülern haben 35 Schüler bestanden und bekamen ein Zertifikat von Chibodia.

- Verleihung
Die 5 besten wurden mit einem T-Shirt belohnt. Ende des Jahres werden einige dieser fünf Besten in das Studentenwohnheim Projekt eintreten. Sie haben jetzt schon mit dieser Leistung gezeigt, dass sie sehr gewissenhaft und diszipliniert beim Lernen sind. Im Anschluss konnten die Eltern der zukünftigen Studenten im MidwayHouse Projekt Fragen über die Inhalte und Vorgehensweisen des Projektes stellen. Für diese Eltern geht es um viel Geld, da sie manchmal das erste Universitäts- Jahr finanzieren. In sechs Härtefalle bei dem extreme Armut ein Studium verhindert, hat Chibodia Stipendien ausgegeben..

- Samuel Pehlke im Gespräch mit den Eltern
Doch am meisten hat uns gefreut, dass der Vater eines Studenten eine Rede hielt, in der er die Wichtigkeit von Bildung heraushob und die Rolle der Chibodia Landschule hierbei hochschätzte. Er ermahnte die anderen Eltern, dass sie ihre Kinder beim Lernen unterstützen sollten, indem sie sie wenigstens einige Stunden pro Tag von der Feldarbeit befreien. Denn es ginge um nichts weniger als die Zukunft.

- Gruppenbild mit Zertifikat
Anne & Samuel Pehlke (aktualisiert 07.12.2010)



