Neuaufnahmen
Wir erhielten vor einigen Tagen einen Anruf von einer, dem Müllkippen-Projekt Motomedix bekannten, Frau. Sie berichtete von einer Frau, die an der Müllkippe in einem Verschlag aus Pappe und Plastik mit ihren zwei kleinen Kindern lebt. Ihr Mann verschwand von einem Tag auf den nächsten und sie hat ihn seitdem nie wieder gesehen oder von ihm gehört. Ihr gesamtes Hab und Gut passt gut in eine große Plastiktüte und seitdem ihr Mann verschwunden ist, weiß sie nicht wie sie ihre Kinder durchbringen soll – vom Schulbesuch ganz zu schweigen.
Die Mutter hat uns um eine Aufnahme ihrer Kinder im
ChildrensHome angefleht. Sie wird bald außerhalb von Phnom Penh auf dem Land in eine Bekleidungsindustrie-Fabrik arbeiten gehen und hat keine Angehörigen, denen sie die Kinder anvertrauen kann. Den Lohn, den sie dort erhalten wird, reicht gerade aus um sich selbst zu ernähren.

- Reak Sar 7 Jahre alt

- Die Neuaufnahmen in den letzten Monaten Kalim, Channa, Reak Sa, Navouen, Srey Pich, Nary
In Kambodscha gelten Kinder, die einen Elternteil verloren haben als Waisen. In armen Verhältnissen, wie sie zum Beispiel auf der Müllkippe vorherrschen, kann man Kinder nur ernähren, wenn die Familie zusammenhält und sich Vater und Mutter Aufgaben und Verdienst teilen.
Nachdem wir die Situation der Kinder gemeinsam mit unseren kambodschanischen Mitarbeitern untersucht hatten, befanden alle, dass eine Aufnahme notwendig war, nicht zuletzt weil die Mutter drauf und dran war, die Kinder in unsichere Verhältnisse abzugeben.
Einen Abschied gab es nicht, nur eine Mahnung der Mutter an ihre Kinder sich gut zu benehmen. Vielleicht verträgt sich Armut nicht mit Bindungen und Gefühlen. Vielleicht kann man es sich auch nicht leisten. Wir im Westen können uns gar nicht vorstellen, wie es ist, wenn man von Nichts im Dreck leben muss und nicht weiß wie man die nächste Woche überleben soll.
Die Entscheidungen, welche Kinder aufzunehmen und welche nicht, sind schwer und ohne den wertvollen Einblick unserer einheimischen Mitarbeiter nahezu unmöglich. Reak Sar ist 7 Jahre alt und hat bereits zwei Tage nach seiner Aufnahme im ChildrensHome zum ersten Mal die Schule besucht. Jetzt läuft er Arm in Arm mit anderen Jungen im ChildrensHome umher und grinst breit. Im Gegensatz zu seiner Mutter wird er lesen und schreiben lernen. Er wird so bald wie möglich zum Zahnarzt gehen müssen, um eine ganze Reihe faule Zahnstümpfe zu entfernen und sein Körper zeigt viele Narben, wo Mückenstiche sich im Dreck der Müllkippe entzündet haben.

- Sengly 6 Jahre alt
Seine kleine Schwester Srey Pich ist 4 Jahre alt und musste erst noch eine Stunde weit weg in den Provinzen geholt werden. Anscheinend lebte sie bereits nicht mehr bei ihrer Mutter. Sie ist leider krank und fiebrig. Doch im ChildrensHome wird sie gut umsorgt und wird bestimmt bald gesund.
Chibodia hat zudem ein 6-jähriges Mädchen, Sengly, aufgenommen. Ihre Eltern sind beide an HIV gestorben als sie wenige Monate alt war. Sie ist – Gott sei Dank – nicht HIV positiv. Die Frau, bei dem das Mädchen zuletzt lebte (als Haushaltshilfe), erlitt vor einigen Wochen einen Schulterbruch bei einem Mofa Unfall und kann oder will Sengly nicht mehr unterstützen. Sengly geht seit Oktober auch in die 1. Klasse.

- Vanny mit Kunthea



