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Vorstellung der Chibodia-Auslandsmitarbeiter Anne und Samuel Pehlke

Anne Pehlke ist Grundschullehrerin und Samuel Pehlke ist examinierter Krankenpfleger. Beide sind seit dem Jahr 2000 miteinander verheiratet und haben eine gemeinsame Tochter.

Persönliche Vorstellung

In den Jahren vor unserer Arbeit als Chibodia Auslandsmitarbeiter haben meine Frau und ich (sowie viele andere Chibodia-Mitglieder) unter anderem Guatemala, Belize, Ecuador, Tunesien, Indien, Thailand, Laos, Vietnam und Kambodscha bereist. Einige dieser Länder sind Schwellenländer und die meisten so genannte Drittländer. Wer einige Zeit in diesen Ländern verbringt, dem drängt sich unvermeidlich ein Vergleich mit unserer westlichen Welt auf.

Anne und Samuel Pehlke

Uns fiel ein Ungleichgewicht der Lebensumstände massiv auf. Wir dachten darüber nach, wie viel wir westlichen Menschen besitzen, während andere viel weniger haben - gar weniger als zum Leben nötig. (Alle 15 sek. stirbt ein Kind, weil es keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hat, Durchfall bekommt und austrocknet. An einer einfachen Diarrhöe sterben Kinder vor allem in Afrika und Asien.)

In Kambodscha

Im April 2006 bereisten meine Frau und ich Kambodscha. Mit zwei anderen Mitgliedern von Chibodia hatte ich das Land bereits im November und Dezember 2005 bereist. Seitdem erzählte ich meiner Frau unentwegt von der Not der Kinder in diesem von Bürgerkriegen und Invasionen geschüttelten Land. Aufgrund unserer Berufe hatten wir meiner Meinung nach ideale Bedingungen, um etwas bewegen zu können.

Samuel Pehlke mit einem Kind aus einem Kinderheim

Wir liehen uns ein geländegängiges Motorrad, fuhren kreuz und quer im Land herum und haben uns gezielt die Armut der Kinder und ihre Ursachen angeschaut. In der Hauptstadt des Landes, Phnom Penh, lernten wir unter anderem zwei Menschen kennen, die aus verschiedenen Gründen in Kambodscha geblieben waren, beide erschüttert vom Leid der Kinder.

Besuch im Kinderheim

Beide taten ihr Bestmöglichstes, um die Situation zu verändern in denen die Straßenkinder Phnom Penhs aufwuchsen. Einer der beiden Männer, Drew, führte uns in ein Kinderheim für 70-80 Kinder, inmitten eines Slums. Das Heim war kambodschanisch geführt. Der „Direktor" war korrupt und benutzte die Kinder, um an das Geld spendebereiter Touristen zu kommen.

Anne Pehlke mit 2 Kindern eines Kinderheims in Kambodscha

Zur der Zeit, als wir uns in Phnom Penh aufhielten, bekam Drew mit, dass ein deutsches Paar dem Heim 4000€ gespendet hatte. Sie hatten klare Angaben gemacht wofür das Geld bestimmt war. Es sollte ein PC angeschafft werden, sodass die Kinder mit einem Computer umgehen lernen und 18 neue Schlafzimmer sollten gebaut werden. Dieses Geld gelangte offensichtlich weder zu den Kindern, noch wurde in das Heim investiert.

In dieser schwierigen Situation, versuchte Drew das Heim zu modernisieren, weil es keine Küche gab, nur eine Feuerstelle und in den sanitären Anlagen floss die Kanalisation offen vorbei. Matratzen gab es keine, die Zimmer waren eher Abtrennungen aus Pappe unter einem Wellblechdach. Zum Teil waren die Kinder sehr zutraulich, aber auch auf beunruhigende Weise verstört und mangelernährt. Meine Frau und ich erkannten, dass es nicht ausreichte zu spenden - man musste das Geld überwachen und sinnvoll einsetzen.

Bei einem unserer Besuche in diesem Kinderheim, kam heraus, dass ich in einem medizinischen Beruf arbeite. Plötzlich reihten sich dort wo ich saß einige Menschen auf. Ich fragte mich, was das zu bedeuten hatte. Dann begriff ich: Sie wollten mir von ihren körperlichen Beschwerden erzählen, weil sie in ihrem Leben nie näher an so etwas wie eine medizinische Betreuung herangekommen waren. Was sollte ich denn tun? Doch die Zeit zum Nachdenken gab es nicht. Eine einheimische Frau, die gut Englisch sprach, setzte sich zu mir und fing an zu übersetzen.

Für die nächsten 3 Stunden war ich so beschäftigt, wie nie zuvor im Leben. Oft musste ich die Kinder und Jugendlichen nur darauf aufmerksam machen, dass sie mehr trinken mussten, wenn ihnen schwindelig war. Doch dann ging mir auf, dass sie kein sauberes Wasser hatten. Sie hatten die Wahl zwischen Schwindel und Bauchschmerzen. Da schwor ich mir, nie wieder so hilflos sein zu müssen wie in diesen Stunden. In fast jedem einzelnen Fall wäre es mit einfachsten Mitteln möglich gewesen, nicht nur zu helfen, sondern das Problem schlicht und einfach zu beheben.

Auf der Müllhalde

Doch an diesem Tag stand uns das Schlimmste noch bevor. Nader, (der andere der zwei jungen Männer) ein Werbefilmproduzent, war in Kambodscha geblieben, weil er einen Werbefilm gegen die sexuelle Ausbeutung von Kinder in Kambodscha produziert hatte und dabei furchtbares gesehen hatte - er konnte sein Leben nicht mehr weiterführen wie zuvor.

Die Behausungen von Kindern auf der Müllkippe

Er schlug vor, uns die städtische Müllkippe Phnom Penhs zu zeigen. Warum? Weil die Müllkippe von hunderten von Kindern bewohnt wird. Sie lebten vom, auf und mit dem Müll. Soweit man sehen konnte: Müll. Es stank zum Himmel. Hier ist es wie in der Hölle, dachte ich; nur waren die falschen Menschen hier - unschuldige Kinder. Ich habe es geschafft ein paar Bilder von einem ca. 12 jährigen Jungen, der einen ca. 3 jährigen auf dem Arm trug, zu machen, bevor ich weinte. Nader hatte uns gewarnt: Wenn ihr kein Herz aus Stein habt, wird es euch bewegen und so schnell nicht mehr loslassen. Er sollte Recht behalten.

Der jüngste der beiden Jungen hatte einen brodelnden Husten (der Müll wird von Zeit zu Zeit angesteckt und verbrannt) und Zeichen der Mangelernährung. Sie schauten mich nur an, teilnahmslos, nichts erwartend. Sie kannten keine Erwachsenen, die sich jemals um sie gekümmert hätten. In diesem Augenblick wollte ich nichts mehr auf dieser Welt, als sie einfach mitzunehmen, zu waschen, medizinisch zu versorgen, Essen zu geben und ihnen eine Chance zu geben zur Schule zu gehen.

Einer der Kinder auf der Müllhalde

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01.07.2010

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