Heimataufenthalt, Feiertage und eine Überschwemmung
Nun hat uns Kambodscha wieder! Erst jetzt habe ich wieder etwas Zeit für die Chibodia Internetseite zu schreiben, da wir uns in einer Reihe von Feiertagen befinden. Kambodscha hat über 50 Feiertage! Nicht alle sind gesetzlich, aber an ausländischen Feiertagen, wie beispielsweise das chinesische Neujahr ist plötzlich jeder zweite Khmer ein Chinese! So feiern die Khmer drei Mal Neujahr: Unser westliches Neujahr, chinesisches Neujahr und Khmer Neujahr.
Das Verlangen der Khmer das Leben zu genießen ist nach Jahrzehnten des Krieges verständlich. Dieses Mal wird vier Tage lang dem Geburtstag des Königs gedacht. Banken, Behörden und viele Geschäfte haben geschlossen, die Straßen sind merklich leerer. Die Arbeit ruht. Die Studenten des Studentenwohnheims sind zu ihren Eltern aufs Land gefahren. Die Aziza Schule hat geschlossen. Besorgungen unsererseits können während dieser Zeit nicht gemacht werden. Das hat für uns zur Folge, dass das Tagesgeschäft ruhiger ist. Nun ist Zeit, die Dinge, die während unseres Heimataufenthaltes liegen geblieben sind, aufzuarbeiten. Nach sechs Wochen Terminen, Treffen, Interviews und Präsentationen hatten wir nicht das Gefühl auf Heimaturlaub gewesen zu sein. Doch es hat sich gelohnt und wir hatten Gelegenheit unsere Familien und Freunde zu treffen.
An dieser Stelle möchten wir uns bei allen Menschen bedanken, die uns moralische, geistige, geistliche und finanzielle Unterstützung gegeben haben. Ohne euch wäre die Arbeit in Kambodscha undenkbar - ihr wisst wer ihr seid!

Der überflutete Hof
Ein anderer Grund weswegen die täglichen Erledigungen etwas ruhen, sind die starken Regenfälle der letzten Zeit. Gestern gipfelten die starken Niederschläge in einer Überschwemmung Phnom Penhs. Auch das Gebiet in dem das ChildrensHome liegt ist betroffen. Normalerweise werden die Abwasserkanäle bei starkem Regen frei gepumpt, doch schon gestern Mittag zeichnete sich ab, dass die Pumpe für unser Gebiet ausgefallen war.
Es regnete und regnete und das Wasser stieg und stieg, bis es vor dem Eingang des Kinderheims stand und allen klar war, dass es das innere des Hauses überschwemmen würde. Zu viert haben wir zweieinhalb Stunden im strömenden Regen das Wasser mit Eimern auf die Straße gekippt.

Anne beim Wasserschöpfen
Zum Glück hatten wir vorsorglich vor ein paar Monaten einen Damm am Eingangstor gebaut, doch die - seit zwei Monaten - versprochene Wasserpumpe war noch immer nicht geliefert worden. Wir konnten knapp verhindern, dass das brackige Wasser ins Haus floss. In der Nacht sind wir reihum alle zwei Stunden aufgestanden, um den Wasserstand zu prüfen. Heute Morgen um 5 war es wieder soweit: Wasserscheppen als Frühsport, denn das Wasser leckte bereits wieder am Eingang des Hauses.
Das Grundstück ist komplett überschwemmt und sogar Fische schwimmen darin herum. Unsere neue Mitarbeiterin Sina hat kurzerhand zwei Fische mit der Hand gefangen, die dann gebraten zum Frühstück verzehrt wurden.

Die Fische, die Sina im überfluteten Hof fing
Auf unser erneutes Drängen hin soll heute die Wasserpumpe geliefert werden - ich hoffe vor dem nächsten täglichen Gewitter...

... 1 Tag später ...
Nachdem wir am Vortag mehrere Stunden mit Eimern darum gekämpft hatten, dass kein Wasser ins Haus eindringen konnte, wurde einen Tag nach der Überschwemmung die Pumpe geliefert und wir konnten sie erfolgreich installieren. Nun ist das Grundstück, das das Kinderheim umgibt trocken gepumpt.

Der Hof ist nun trocken gepumpt
Die lang ersehnte Pumpe
Das System funktioniert so: Am tiefsten Punkt des Grundstücks ist ein brunnenähnlicher Wasserbecken, in das überschüssiges Wasser vom Grundstück abfließt. Die Pumpe pumpt dann das Wasser über die Mauer - die als ein Deich funktioniert - auf die Straße.
Überflutungen gehören hier zum täglichen Leben während der Regenzeit. Wir gehören zu den glücklicheren Menschen, die sich eine Pumpe leisten können, während andere im Wasser sitzen. Für diese Menschen hoffen wir, dass sich die Kommunalbehörden endlich dazu entschließen die große staatliche Pumpe anzuschalten. Auf Nachfrage liegt es angeblich an den fehlenden finanziellen Mitteln, um Benzin und Öl für den Betrieb dieser Pumpe zu kaufen...
20 Mai 2008
Anne & Samuel Pehlke
