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Münsterländische Volkszeitung über die Arbeit von Miriam Kersting

Bericht vom 15.07.2008 über die Arbeit von Miriam Kersting in Phnom Penh/Kambodscha

Man bekommt mehr als man gibt

Billerbeck. Miriam Kersting ist der Beweis dafür, dass der erste Eindruck täuschen kann. Auf den ersten Blick traut wohl niemand der zierlichen jungen Frau mit der blonden Mähne und den langen, tiefviolett lackierten Fingernägeln zu, dass sie auf einer bestialisch stinkenden Müllkippe in Phnom Penh/Kambodscha den Menschen, die dort in maroden Hütten hausen, das Zähneputzen beibringt oder in Narela/Indien ein Kunstprojekt mit aidskranken Junkies durchführt. Und doch hat die 27-jährige Wahl-Billerbeckerin genau das gemacht.


In Kambodscha arbeitete Miriam Kersting in Schulen, die der Verein „Chibodia“ in Phnom Penh und in einer Provinz des Landes unterhält.

Ende 2007 verbrachte sie vier Wochen in Phnom Penh, wo sie sich in Entwicklungshilfe-Projekten des deutschen Vereins „Chibodia" engagierte. Neben dem Zahnhygiene-Projekt gab sie Kunstunterricht in einer Schule für Kinder aus dem Bording-Block-Slum, deren Leben geprägt ist von Armut, Gewalt und Drogen. „Bildung ist ihre einzige Chance, dem Teufelskreis zu entkommen", so Miriam Kersting, die zwei Jahre zuvor unter noch extremeren Bedingungen erste Erfahrungen in der Entwicklungshilfe sammelte.

Fünf Monate lebte und arbeitete sie im Sewa Ashram in der indischen Stadt Narela. Die Gemeinschaft kümmert sich um die Ärmsten der Armen. Menschen die halb verhungert oder sterbenskrank am Straßenrand liegen, Drogenabhängige, die unter Brücken vegetieren, werden aufgenommen und aufgepäppelt. Miriam Kersting half auf ihre Weise, initiierte ein Kunstprojekt für eine Gruppe von Junkies, 18 Männer, die die Deutsche äußerst skeptisch beäugten, dann aber relativ schnell Vertrauen fassten.

„Für viele war dieses Projekt die erste Möglichkeit überhaupt, Erfahrungen und Empfindungen zu reflektieren und zum Ausdruck zu bringen", berichtet Miriam Kersting, die sich noch gut an einen Mann erinnert, der, als er eine Skulptur zum Thema Heimat schaffen sollte, eine Brücke modellierte. Das nächste Ziel hat die 27-jährige Kommunikations- und Mediendesignerin, die als freischaffende Designerin, Künstlerin und Fotografin tätig ist, schon vor Augen. „Anfang 2009 würde ich gerne nach Afrika reisen und dort in einem Projekt mitarbeiten.

" Warum sie sich freiwillig und vollkommen unentgeltlich in den Dienst der Entwicklungshilfe stellt, während die Kommilitonen von einst Karriere in Werbung und Marketing machen? „Für mich ist es nicht erstrebenswert, in einer Werbeagentur zu arbeiten und nur den kommerziellen Bereich im Auge zu haben.

Ich möchte Kreativität mit Sozialarbeit verbinden." Diesen Weg schlug Miriam Kersting schon während des Studium in Hamburg ein, als sie nebenbei in einer Kita im Bereich Kunsterziehung arbeitete. Eine Reise durch Thailand im Jahr 2001 und eine weitere Asientour in 2003 ließen den Wunsch reifen, sich für Menschen einzusetzen, denen es, wie Miriam Kersting sagt, „an allem fehlt, was für uns selbstverständlich ist: Gesundheit, Nahrung, Kleidung, Bildung, Wertschätzung." Inzwischen bemüht sie sich sogar um ein Stipendium, um sich zur Entwicklungshelferin ausbilden zu lassen. „Man bekommt bei dieser Arbeit einfach so viel mehr als man gibt", so die Billerbeckerin, die sich freuen würde, wenn die Hilfsprojekte in Kambodscha und Indien finanzielle Unterstützung auch aus Billerbeck bekommen würden.

Ein 2. Artikel, der zum Thema erschienen ist.

Die Münsteranerin Miriam Kersting hat in Kambodscha mit Straßenkindern gearbeitet - als PDF herunterladen.


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