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Gießener Anzeiger zur Einrichtung der Gesundheitsklinik

Bericht vom 30.09.2008 zur Einrichtung der Gesundheitsklinik auf einer Müllkippe

Gesundheitsklinik auf Müllkippe eingerichtet

Die ersten Kinder sind ins Heim von "Chibodia" eingezogen


Samuel und Anne Pehlke (r.) mit einer Betreuerin (l.) sowie den ersten sechs Mädchen und Jungen im "Chibodia"-Kinderheim in Phnom Penh.

HOLZHEIM (rl). Der mittelhessische Verein Chibodia (Freunde für Kinder in Kambodscha) hat die ersten Mädchen und Jungen in sein gerade eröffnetes Kinderheim aufgenommen. Das berichtete Schatzmeister Chris Allgeier (Holzheim). In der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh. "Chibodia" hat dazu ein Haus mit etwa 200 Quadratmeter Wohnfläche angemietet und für maximal 30 Kinder hergerichtet. Die ersten drei Mädchen und drei Jungen im Alter von acht bis 15 Jahren haben darin nun Aufnahme gefunden, weil sie verwaist sind und aus ärmlichen Verhältnissen stammen.
Ihre Lebensumstände waren in vielerlei Hinsicht von Vernachlässigung geprägt, insbesondere durch die nicht gewährleistete Schulausbildung. Die 12-jährige Sina beispielsweise kennt ihren Vater nicht. Ihre Mutter, die regelmäßig unter Alkohol- und Drogeneinfluss steht, verkauft ihre Kinder, die meist durch Vergewaltigungen auf die Welt kamen. Die Köchin eines anderen Kinderheims bekam mit, dass Sina verkauft werden sollte. Spontan entschloss sie sich, das Kind zu kaufen, um es vor Schlimmeren zu bewahren. Die Köchin verdient nicht genug, um Sina zur Schule zu schicken oder sie auf Dauer ausreichend zu ernähren. Sie ließ Sina auf ihre Kosten untersuchen und behandeln. Würmer, Kopfhaut Grätze, Läuse und Mangelernährung lautete die Diagnose. Über Umwege hörte sie von dem Chibodia Kinderheim und übergab das Mädchen in dessen Obhut.
Geleitet wird das Kinderheim von dem 37-jährigen Krankenpfleger Samuel Pehlke und seiner 29-jährigen Ehefrau, der Grundschullehrerin Anne Pehlke. Im Kinderheim findet spezieller Unterricht statt, um den Kindern bessere Zukunftschancen zu ermöglichen. Hier gibt es Englisch- und Computer-Kurse. Außerdem besuchen die Kinder zusätzlich eine staatliche Schule, um ihnen den offiziellen Abschluss zu ermöglichen. Alle Kosten dafür werden vom Verein Chibodia getragen.
Wie Allgeier ferner berichtet, konnte der Verein im Rahmen seines Projektes "Motomedix" an einer Müllkippe vor den Toren der Hauptstadt eine Behandlungs- und Aufklärungsstätte einrichten. Zuvor fuhr Samuel Pehlke wöchentlich mit dem Amerikaner Nader Ebrahimi auf geländetauglichen Motorrädern und mehreren Taschen voller Antibiotika und anderen Medikamenten wie Salben, Verbandszeug, Augen- und Ohrentropfen und einigen medizinischen Instrumenten auf diese städtische Müllkippe. Dort leben Erwachsene und Kinder in brennenden und stinkenden Haufen, die mit Autos nicht erreichbar sind. Viele leiden an Krankheiten, die durch den Schmutz und den Rauch der Müllkippe auftreten. Mitten in dem Slum untersuchen die Helfer die Patienten und versorgen sie mit Medikamenten. Zudem geben sie Unterricht in Hygiene, Umgang mit Wasser und Nahrungsmitteln, um Krankheiten vorzubeugen. Die Menschen im Müll leiden an Mückenstichen, Rattenbissen und anderen Infektionen.
Nach kleineren Umbaumaßnahmen sei die Gesundheitsklinik mit Medikamenten, medizinischem Gerät, Schautafeln und einem Computer zu Dokumentationszwecken ausgerüstet worden. Eine freiwillige Mitarbeiterin aus Deutschland und ein einheimischer Medizinstudent unterstützen das Projekt. Die Menschen, die dort leben, werden nun auch durch Hygiene-Aufklärungskurse geschult. Bei jedem besuchten Aufklärungskurs bekommen die Teilnehmer einen Stempel in einen Pass, der sie berechtigt, die kostenlose medizinische Versorgung des Zentrums eine Zeit lang in Anspruch zu nehmen. Darüber hinaus erhalten sie nach erfolgreichem und mehrfachem Besuch der Workshops ein Hilfspaket ausgehändigt. Beispielsweise, wenn das Thema des Aufklärungskurses Zahnhygiene war, bekommen die Teilnehmer einen Zahnputzbecher, Zahnpasta und eine Zahnbürste. Wenn es um durch Mücken übertragbare Krankheiten geht, bekommen sie ein Netz, erläutert Allgeier. Zurzeit arbeitet der Verein an einem Filtersystem, das es möglich machen soll, sauberes Trinkwasser auszugeben. Der Verein unterhält und baut zudem eine Schule auf dem Land. Chibodia gehören derzeit rund 80 Mitglieder an.
Allgeier hofft, auf weitere Unterstützung aus der Bevölkerung. Dazu hat der Verein ein Spendenkonto eingerichtet bei der Volksbank Holzheim, Konto 20800, BLZ 51361704. Weitere Informationen gibt es bei Chibodia, Zum Hasenberg 26, 35415 Holzheim, 06004/ 411503, info@chibodia.org. Jeden ersten Freitag im Monat treffen sich Mitglieder und Freunde des Vereins in der Gaststätte Justus im Hessischen Hof in Gießen (Frankfurter Straße) zu einem Stammtisch.
www.chibodia.org

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