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Notlage im Lakeside Slum

Starke Regenfälle und die zunehmende Landgewinnung in natürlichen Überflutungsflächen sorgen seit einigen Jahren für bedenkliche Wasserstände im Lakeside Slum des Boeng Kak Sees. Jedes Jahr ertrinken mehrere Kinder, weil man durch das dunkel-grüne Wasser nicht mehr sieht, wo Stege beginnen, aufhören oder deren Ränder sich befinden.


Hütten auf Stelzen unter Wasser

Der grüne, glitschige Schleim, der sich auf den Stegen bildet, erhöht die Gefahr zusätzlich. Vergangene Woche ist ein Kind vor unseren Augen ausgerutscht und neben einen Steg gefallen. Ich sprang hinzu, während die Mutter schrie. Es ging alles so schnell. Als ich die Stelle erreichte, sah ich gerade noch den Arm des kleinen Junges, dass sich etwas heller im dunkelgrünen Wasser abzeichnete, obwohl er sich nur wenige Zentimeter unter der Wasseroberfläche befand.

Ich wunderte mich noch, wie schnell er sank. Noch einige Zentimeter mehr und ich hätte ihn nicht mehr sehen können. Der Junge hatte die Hände Hilfe suchend nach oben gereckt, während er sank. So bekam ich ihn gerade noch zu fassen und zog den Jungen, der vielleicht 5 Jahre alt war aus dem Wasser. Mit klopfenden Herzen, erkannte ich nun wie schnell Kinder hier in diesem Slum ertranken.


"Boot" aus Styropor

Doch dieses Jahr erreichte das Hochwasser einen Rekordstand. Selbst die Böden der Häuser, die auf Stelzen in der Trockenzeit etwa ein Meter über der Wasseroberfläche des Sees stehen, wurden überschwemmt.  Der Brunnen, einzige Frischwasserquelle, lief voll brackigem Seewasser. Um zu den gesundheitlichen Problemen noch eines hinzuzufügen, entsorgt das größte Krankenhaus der Stadt ihre Abfälle im See. Es schwimmt also infektiöser Krankenhausmüll (C-Müll, wie benutzte Katheter, Spritzen, Nadeln und Infusionsleitungen) zusätzlich zu den Fäkalien und Hausmüll im Wasser herum.


Die von Chibodia gekauften Medikamente


Wartende Patienten

Wegen dem Hochwasser und der daraus resultierenden gesundheitlichen Notlage hat Chibodia eine Notfallversorgung der Slumbewohner eingerichtet. Dienstags und freitags von 15-17Uhr werden betroffene Menschen kostenfrei behandelt. Medikamente gegen Durchfall, Pilzerkrankungen und bakteriellen Infektionen werden unentgeltlich abgegeben. In diesem Slum arbeitet Chibodia mit einer amerikanischen Organisation (BAB) zusammen, um ein kleines Gesundheitszentrum aufzubauen.


Adreas Streich behandelt einen schwerwiegenden Fußpilz

Bisher haben indische, französische und amerikanische Ärzte ihre Zeit unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Diese freiwillig mitarbeitenden Ärzte stellen bei schwierigen Fällen eine Diagnose und machen Therapievorschläge. Chibodia besorgt, finanziert und teilt die von den Ärzten vorgeschlagenen Medikamente aus.


Freiwilliger Arzt bei der Behandlung

Auch koordinieren wir die Mitarbeit der Ärzte und sorgen für deren Transport durch das trübe Wasser bis zur der kleinen Klinik auf Stelzen. Auch amerikanische, neuseeländische und deutsche Krankenschwestern und Krankenpfleger arbeiten unentgeltlich mit, um eine generelle Gesundheitsversorgung dieses überfluteten Slums sicherzustellen.


Andreas Streich bei der Medikamentenausgabe im Gespräch mit Samuel Pehlke

Im November sind Hanta Seewald (Chibodias Webmaster) und Andreas Streich (bei Chibodia für Printmedien zuständig) auf eigene Kosten nach Kambodscha gereist, um sich von aktuellen Projekten ein Bild zu machen. Auch schauten sie sich die katastrophalen Bedingungen im Slum am Boeng Kak See an und halfen die gesundheitlich angeschlagenen Kinder und Erwachsene zu versorgen.

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