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Slumkinder in Angkor Wat

Trip vom 16.-18. März 2007

Projektbeschreibung: 3-tägige Bildungsreise für Kinder der Aziza-Schule nach Angkor Wat. Angkor Wat gehört zum UNESCO Weltkulturerbe und ist für Kambodschaner der Inbegriff ihrer Herkunft.

Budget: 410,- EUR für 26 Kinder + 2 Lehrer (ca. 15,- EUR pro Kind), inkl. 2 Übernachtung, Verpflegung für 3Tage, geschichtskundigem Führer; Transport und 192 Erinnerungsfotos.  

Ziele: Bildung in Geschichts- und Landeskunde; Stärkung des Selbstbewusstseins; Förderung des Sozialverhaltens.

Auswahlkriterien für die Teilnahme an der Angkor Wat-Reise: 

  • Alter: 12-18 Jahre
  • Kinder, die noch nie Angkor Wat besucht haben
  • Regelmäßige Teilnahme am Unterricht der Aziza-Schule
  • Einverständniserklärung des Erziehungsberechtigten (soweit vorhanden)
  • Kinder, die nicht „carsick" (Übelkeit beim Bus fahren) werden oder anderweitig krank sind.

Als wir am Freitagmorgen um 6.30 Uhr zur Schule fuhren, machten wir uns Gedanken, ob alle Schüler, die wir auf unserer Liste vorgemerkt hatten auch pünktlich erscheinen würden. Doch als wir eintrafen, war klar, dass sich keiner der Schüler diese Reise entgehen lassen wollte. Wie hatten wir nur einen Gedanken daran verschwenden können, dass einige nicht kommen würden. Die Vorfreude der Kinder war riesengroß.

Trotz ihrer Armut waren alle ordentlich gekleidet und manche hatten sogar eine kleine Tasche dabei. Uns allen fiel zum Beispiel die 12-jährige Vanda auf. Sonst trug sie meist schmutzige Kleidung, doch an diesem Tag hatte sie ein rosa Rüschenkleid an, in dem sie sehr schick aussah. Ob sie sich das Kleidchen ausgeliehen hatte oder für solche Anlässe in ihrer Hütte aufhob, wussten wir nicht. Wir waren gerührt von dem Bemühen der Kinder ordentlich auszusehen. Aber schließlich war dies auch die Reise ihres Lebens. Viele von ihnen hatten Phnom Penh noch nie verlassen und manche saßen gar noch nie in einem Fahrzeug.  

Bus

Wenige Minuten später kam der von uns organisierte Minibus. Nachdem die 26 Schüler auf der Liste abgehakt und sich im Minibus einen Platz gesucht hatten, fragten wir uns, ob sechs Erwachsene zusätzlich noch herein passen würden. Ursprünglich wollten wir die Zahl der Kinder auf 20 beschränken und hatten daher einen Bus mit 24 Sitzplätzen gemietet. Es gab jedoch mehr Kinder, auf die die Auswahlkriterien passten und daher dachten wir uns, dass wir einfach noch sparsamer mit dem Budget umgehen müssten...

Nach weiteren zehn Minuten saßen 34 Menschen in einem für 24 Personen ausgelegten Minibus. Bis in den letzten Winkel war der Bus nun voll gepackt und die Hälfte der Sitzplätze doppelt besetzt. Die 6-stündige Fahrt von Phnom Penh nach Siem Reap (Stadt in der Nähe von Angkor Wat) konnte losgehen.

Der heiße Fahrtwind, der durch alle offenen Fenster zog, war ein Segen auf so engem Raum. Während der Fahrt wurde gesungen, gelacht, geredet, geschlafen, gelesen, gegessen, getrunken, gebrochen und vor allem geschwitzt.

im Bus

Insgesamt legten wir zwei Pausen ein. Die zweite Pause machten wir am Straßenrand - mitten in der Landschaft. Wir setzten uns unter einen unbenutzten Verkaufsstand, um uns vor der glühenden Sonne zu schützen. Dort aßen wir trockenen Reis mit ein wenig Schweinefleisch und zum Nachtisch Mandarinen.

zweite Pause

Frisch gestärkt und mit wieder einigermaßen entkrampften Gliedern ging die Fahrt weiter.

Gegen 13.30 Uhr erreichten wir endlich das Guesthouse. Die meisten westlichen Menschen wären von der Unterkunft enttäuscht gewesen, doch die Kinder waren völlig aus dem Häuschen, als sie die Zimmer sahen. (Der größte Teil der Kinder hat noch nie auf einer Matratze geschlafen und schon gar nicht in einem Guesthouse übernachtet). Alle machten es sich schnell zu viert oder zu fünft in ihren Zimmern gemütlich.

Nach einer Dusche und einer kurzen Ruhezeit fuhren wir zum Haupttempel der größten religiösen Anlange der Welt: Angkor Wat, das Wahrzeichen Kambodschas.

Angkor Wat

Gemeinsam erkundeten wir den Tempel, liefen durch Gänge und Tore, kletterten die überaus steilen Stufen hinauf bis zur höchsten Ebene und genossen die atemberaubende Aussicht. Begeistert und tief beeindruckt erfreuten wir uns an der Atmosphäre von Angkor Wat. Eingetaucht in das rötliche Licht der warmen Abendsonne, fiel es uns allen nicht leicht diesen faszinierenden Ort zu verlassen.

Am nächsten Tag wurde die Reise in die alte Geschichte Kambodschas fortgesetzt. Schon ab dem frühen Morgen begleitete uns ein kambodschanischer Touristenführer, der den Kindern viel Geschichtliches erklärte und über Hintergründe informierte. Mit Interesse verfolgten die Kinder seine Vorträge und stellten ihm immer wieder Fragen.  

Geschichtsstunde

Ein Höhepunkt an diesem Morgen war das Elefantenreiten bis zum Eingangstor von Angkor Thom. Innerhalb seiner mächtigen Mauern besuchten wir die verschiedenen Tempel: Bayon, Baphuon und Phimeanakas Tempel sowie die Elefantenterrasse.

Elefantenreiten

Angkor Thom
Haupteingang von Angkor Thom

Als die Mittagshitze langsam unerträglich wurde, entschieden wir uns, nicht wie geplant, die Mittagspause im Guesthouse zu verbringen, sondern an einem See ca. 13 km außerhalb von Siem Reap. Die Kinder aßen dort schnell das mitgebrachte Mittagessen und sprangen danach sofort in den See. Viele gingen voll bekleidet ins Wasser, da Badebekleidung in Kambodscha nicht üblich ist. Der See war eine wirkliche Erfrischung. Und diese Erfrischung wurde ordentlich ausgekostet. Es wurde geplätschert, getaucht, gepaddelt, getunkt, gelacht und geschwommen. Schnell nahmen die Ausländer die Rolle der Schwimmlehrer ein, um einigen Kindern und auch Phana (einer Chibodia-Lehrerin) Schwimmtechniken bei zu bringen. Der Ausdruck auf den Gesichtern der Kinder sprach Bände - sie genossen es eine Zeit lang an einem schönen Ort zu sein an dem sie einfach mal glückliche Kinder sein konnten.

Schwimmen

Für den Rest des Tages standen noch weitere Tempelbesuche auf dem Programm, so dass wir uns nach drei Stunden wieder mit dem voll gepackten Bus auf den Weg machten.

Als es abends schon langsam dämmerte, besuchten wir den letzten Tempel (Ta Keo) für diesen Tag. Ein Wettrennen bis zur höchsten Ebene ließ die langsam aufkommende Müdigkeit schnell verfliegen. Unglaublich wie schnell und flink die Kinder hier klettern können. In den Worten einer unserer Lehrer: „Wie kleine Affen." Auch hier war die Abendstimmung wieder so wunderbar faszinierend, dass dieser Tempel bei den Kindern und wohl auch bei uns niemals in Vergessenheit geraten wird.

Am Abend erklärte uns Sokchea (ein Lehrer der Slumschule), dass er seine Schüler noch nie so glücklich und fröhlich erlebt hatte und bedankte sich dafür. Dies war sehr ermutigend und die schönste Rückmeldung, die man sich wünschen konnte.

Vor der Rückfahrt am letzten Tag besuchten wir noch einen letzten, sehr beeindruckenden Tempel: Ta Prohm, den Dschungeltempel. Dieser Tempel ist noch weitestgehend in dem Zustand seiner Wiederentdeckung. Urwald wächst in, auf und um den Tempel herum. Baumstämme und Wurzelwerk umrahmen Tore und Gänge und der ruinenartige Zerfall löst Entdeckerstimmung aus.

Ta Prohm

Klettern in Ta Prohm

In der Geschichte Angkors steckt das Wissen um die Vergangenheit Kambodschas. Eine Geschichte, die heute noch zu den Kambodschanern spricht - aus der sie für die Zukunft lernen können. Sie haben in der Vergangenheit Großes erreicht und können es auch heute wieder tun...

Tragische Geschichten gibt es in Kambodscha jeden Tag, oft resultiert die heutige Situation aus der jüngsten Geschichte der Pol Pot Zeit. Daher ist es unbedingt erforderlich die bewunderns- und bemerkenswerte Entstehungsgeschichte dieses Landes auch den Slumkindern zu vermitteln. Auf dem Ausflug hatten die Kinder einen Einblick in die reiche Geschichte und Kultur Kambodschas. Eine Geschichte und Kultur, die einem armen Land und ihren Kindern Selbstbewusstsein und Stärke geben kann, um an einer besseren Zukunft Kambodschas zu bauen. 

Anne und Samuel Pehlke

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